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  Die traditionelle Thai-Massage


In Thai bedeutet die traditionelle Thai-Massage soviel wie 'uralte heilsame Berührung'. Sie besteht aus dem Yoga entnommenen Streckpositionen und Dehnungen, Gelenkaktivierungen und Druckpunktmassagen. Die Thai-Massage zeichnet sich durch ihren dynamischen kraftvollen Aspekt aus. Grundlage der Thai-Massage ist das ayurvedische System der 72.000 Energielinien, von denen in der Thai-Massage zehn bearbeitet werden.
Zehn der ausgewählte Energielinien die nach aryurvedischer Lehre den Körper als energetisches Netz durchziehen werden über sanfte Dehnung und mit dem rhythmischen Druck von Handballen, Daumen, Knien, Ellenbogen und Füßen bearbeitet.
Über diese Energielinien, auf denen die Energiepunkte des Körpers liegen, wird der Mensch nach der aryurvedischen Lehre mit Lebensenergie versorgt. In den Dehnpositionen und bei den intensiven Druckmassagen der Thai-Massage verbraucht die Muskulatur Sauerstoff und der Körper wird angeregt, tiefer zu atmen. Der daraus resultierende tiefere Atem fördert die Entspannung und die Regeneration.
In der Lehre der Thai-Massage wird auf bestimmte Energiepunkte und Energielinien eingewirkt und so auch für Linderung bei körperlichen Leiden gesorgt.

Aus anderer Sicht
Diese hochgradig interessante Zusammenstellung von Informationen über die traditionelle Thai-Massage habe ich auf der sehr bescheidenen Website von Ramin Assemi gefunden. Um so beeindruckender war aber dann das, was ich und jetzt auch Sie zu lesen bekam. Sollten Sie aber einmal in Berlin sein, darf ich Ihnen fast empfehlen bei dem Autor dieser Texte vorbeizuschauen und sich womöglich eine klassische Thai-Massage geben zu lassen.

Die Geschichte der Thai-Massage:

Von Mönchen und Huren

Der lange Weg einer Jahrtausende alten Heilpraxis von den buddhistischen Klöstern Thailands in die Bordelle Bangkoks - und eine Rückkehr auf Umwegen.


MIKEs TIPPsRamin Assemi
lebt und praktiziert in Deutschland (Berlin) und Thailand (Bangkok). Seitdem er seine Ausbildung im Wat Po-Tempel in Bangkok vor einigen Jahren abgeschlossen hat, lernte er unter anderem bei Ajahn Youtana Malinee in Satun und assistierte beim Unterricht in der Wat Poh TTM School.

Weitere Informationen zur Thai-Massage finden Sie unter www.tamtookwan.com



Buddha und sein Freund Jivaka

Traditionelle Thai-Massage ist eines der ältesten überlieferten Heilsysteme, das sich bis in die heutige Zeit gehalten hat. Ironischerweise stammt sie jedoch ursprünglich aus Indien, genauer gesagt aus dem damals mächtigsten und größten Staat Indiens, dem Königreich Magadha. Dort praktizierte vor rund 2500 Jahre ein großer Arzt: Jivaka Kommarabhacca.
In seiner Jugend war er Schüler des legendären Atreya gewesen, ein Arzt der damals weit über die Grenzen Indiens hinaus für seine Heilkünste bekannt war. So erhielt Jivaka Kommarabhacca tiefen Einblick in die alten Heilwissenschaften Indiens, wie das Ayurveda und das Yoga. Seine Heilerfolge machten ihn schon in frühen Jahren zu einem bekannten Arzt und schließlich rief sogar der König von Magadha, Bimbisara, ihn an seinen Hof und ernannte ihn zu seinem Leibarzt. Dort traf er auch auf Siddharta Gautama, den Buddha, und seine Mönchsgemeinschaft. Die beiden verstanden sich gut und Jivaka lernte von Buddha und behandelte ihn und die Mönchsgemeinde medizinisch.

Aus seinem reichen Erfahrungsschatz und tiefer Meditation entwickelte sich sein medizinisches System, mit dessen Hilfe er auf vier Weisen seine Patienten behandelte:
1. Massage,
2. Naturmittelheilkunde,
3. Ernährungsweise und
4. spirituellen Praktiken.

Nach seinem Tod praktizierten seine Schüler weiter und im dritten Jahrhundert vor Christus schließlich kam die Thai-Massage dann tatsächlich auch in Thailand an.
Der indische Kaiser Ashoka war ein mächtiger Herrscher mit weitreichendem Einfluss. Nachdem er sein Reich in jahrelangen Kriegen vergrößert hatte - es umfasste 3/4 des indischen Subkontinents - und auf dem Gipfel seiner Macht stand, suchte er nach neuen Aufgaben im Leben. Er wurde Anhänger der friedfertigen buddhistischen Lehren und entsandte buddhistische Missionare in alle Himmelsrichtungen. Was Kaiser Konstantin für das Christentum war, war Kaiser Ashoka für den Buddhismus.

Die Missionare trugen vor allem spirituelles und medizinisches Wissen weiter und ein Großteil des medizinischen Wissens ging auf die Lehren Jivaka Kommarabhacca's zurück. In der frühesten buddhistischen Epoche Thailands waren es vor allem Wandermönche, die sich von allen Besitztümern losgesagt hatten und in den Wäldern und Bergen lebten und meditierten. Etwa im ersten Jahrhundert nach Christus dann wurden mehr und mehr buddhistische Klöster gebaut in denen die Mönche die Bevölkerung medizinisch behandelten - mit Massagen, Heilkräutern und Gebeten. Auch massierten die Mönche sich gegenseitig, um ihre Meditationspraktiken zu vertiefen.


Vom Tempel ins Freudenhaus
Es ist sicherlich ein weiter Weg den die Thai-Massage da genommen hat - und wenn sie einst vor allem in den Klöstern von Mönchen praktiziert wurde ist sie heute dafür bekannt, in den Bordellen von Prostituierten praktiziert zu werden. Jedoch sollte man sich bewusst machen, dass das zwei ganz verschiedene Praktiken sind, die da unter einem gemeinsamen Namen kursieren - und ansonsten sehr wenig gemeinsam haben.

So findet z.B. eine 'echte' Thai-Massage immer bekleidet statt und der Intimbereich wird nicht 'bearbeitet'. Es ist ein wenig bedauerlich, wie die Geschichte ihren Teil dazu beigetragen hat, dass der Name 'Thai-Massage' oft mit sexuellen Dienstleistungen gleichgesetzt wird. Denn einerseits wurde es den Mönchen verboten Massagen zu praktizieren (ähnlich wie es auf dem Konzil von Klermont im Jahre 1130 dem christlichen Klerus verboten wurde, ärztlich tätig zu sein) und andererseits begannen die Amerikaner den Vietnamkrieg: Die von Gefechten erschöpften Soldaten schickte man zur Erholung nach Thailand. So wurde das Land von amerikanischen Männern mit amerikanischen Dollars und kriegsaufgeladenen Hormonhaushalten überspült und binnen weniger Jahre flossen ungezählte Dollar an (einer ganz eigenen Art von) 'Foreign Direct Investment' in den Ausbau von Thailands Sex-Industrie.

Auch haben viele Prostituierte im Alter umgesattelt - ein in die Jahre gekommener Körper zieht wenige Freier an und die Preise sinken - und so haben sie dann nicht mehr in Nachtclubs und Bordellen gearbeitet, sondern in 'Massage Parlors', die eben (sehr) entspannende Massagen für Männer anbieten und wo das Aussehen nicht mehr so wichtig war.


Volksmedizin Massage
Jedenfalls damals - rund 2000 Jahre auf der Achse der Zeit zurück, gab es immer noch viele buddhistische Wandermönche in Thailand die durchs Land zogen und so 'sickerte' die Thai-Massage Stück für Stück auch langsam in die ländliche Bevölkerung durch. So wurde die Massage aus den Tempeln in den thailändischen Alltag geholt und heute gibt es im Wesentlichen zwei Arten der Thai-Medizin (und -Massage).


Der gelehrte Stil
Der gelehrte Stil entstand am königlichen Hof und integriert eine Vielzahl von kulturellen Einflüssen. Die thailändische Kultur ist imstande fremde Elemente aus den verschiedensten Teilen der Welt nahtlos zu assimilieren (die Vielfalt der thailändischen Küche ist exemplarisch dafür). Medizinisches Wissen aus Indien, China, islamischen Traditionen und dem Westen floss hier mit ein. Die größte Übereinstimmung des theoretischen Überbau's der thailändischen Medizin ist in der ayurvedischen Medizin zu finden, und in einigen Fällen stimmen Sen (Energielinien der Thai-Massage) und Nadis (Energielinien des Ayurveda) und Akupressurpunkte der Thai-Massage mit den ayurvedischen Marmas überein. Aus der Zeit um 1820 datierende Statuen indischer 'Rishis' im Wat Poh zeigen deutlich, welchen hohen Stellenwert die yogische Tradition im gelehrten Stil einnahm, und 1100 ayurvedische Rezepte, die in die Manuskripte des Wat Poh aufgenommen wurden und die Vereinnahmung ayurvedischer Diagnosetechniken bestätigen dies nur. Die Unterschiede sind jedoch in der praktischen Anwendung so mannigfaltig, dass die Übereinstimmung im theoretischen Überbau von nur geringer praktischer Bedeutung ist. Viele westliche Autoren haben in ihren Büchern über Thai-Massage diese Übereinstimmungen überbetont, was eher auf einen Mangel an Präzision zurückzuführen ist denn auf fundiertes Wissen. Ein Phänomen, das wohl jedem aus eigener Erfahrung bekannt sein dürfte. Einem Europäer beispielsweise, der das erste Mal nach Asien reist kann es häufig passieren, dass er sich denkt: 'Die sehen hier doch alle gleich aus.' Je länger er sich jedoch in diesem fremden Kulturkreis aufhält, desto deutlicher werden die distinktiven Merkmale der asiatischen Gesichtszüge erkennbar.

Gleiches gilt für jenen, der sich intensiver mit den ayurvedischen und thailändischen Lehren auseinandersetzt. Jedoch praktizieren heute viele Thai-Masseure (indisches) Yoga und raten oft auch ihren Patienten dazu - schließlich wird Thai-Massage manchmal auch scherzhaft als 'Yoga für Faule' bezeichnet, denn der Massierte wird in verschiedene Yogastellungen gebracht, ohne eigene Anstrengung.

Während also die alt-indischen Einflüsse in erster Linie durch Mönche nach Thailand gelangten, brachten chinesische Einwanderer Elemente der traditionellen chinesischen Medizin - darunter auch Massagetechniken des Tuina - mit. Aus den armen Regionen des chinesischen Großreichs wanderten schon seit langem Chinesen nach Thailand ein, weil sie sich dort eine bessere materielle Grundlage erhofften. Und wer einmal die Chinatown von Bangkok besucht hat, wird sich auch hier des Eindrucks nicht erwehren können, dass die Chinesen eben wirklich das Volk der Fleißigen sind. Viele verarmte, besitzlose chinesische Zuwanderer haben sich den Respekt der Thai's mit harter Arbeit verdient - und heute steht hinter fast jedem großen Unternehmen in Thailand eine thai-chinesische Familie).

Wenn Sie in Bangkok einen schwarz glänzenden Mercedes durch die Straßen fahren sehen - innen drin sitzt mit großer Wahrscheinlichkeit ein chinesischer Einwanderer der zweiten oder dritten Generation. Auch werden die meisten großen Apotheken für traditionelle thailändische Medizin heute von Thai-Chinesen geführt und das Wissen um die Zubereitung und Zusammenstellung der einzelnen Mittel wird als wertvoller Familienschatz gehütet.


Der schamanische Stil
Der schamanische Stil ist der in Thailand mit großer Wahrscheinlichkeit ältere, fast vollkommen auf einem spirituellen Glaubenssystem aufbauend, das vor der Verbreitung des Buddhismus in Thailand dominant war. Aufgrund des völligen Verzichts auf formalisierte Wissensweitergabe hat jede Provinz auch eigene Vorgehensweisen und Rezepte zur Behandlung verschiedener Symptome. Unterweisungen finden seit jeher ausschließlich in mündlicher Form vom Lehrer zum Schüler statt. Zum größten Teil sind es Männer, die diese Funktion in der Dorfgemeinschaft einnehmen und denen häufig magische Fähigkeiten nachgesagt werden. Im Norden Thailands finden sich jedoch oft auch Frauen, die über einen großen medizinischen Wissensschatz verfügen und auch massieren (ein Erbe der Hebammen-Tradition).

Einzig und allein medizinische Rezepturen werden auch gelegentlich schriftlich weitergegeben, allerdings in einer für Außenstehenden unverständlichen, kodierten Form und auf die Bewahrung und Geheimhaltung des Wissens wird größter Wert gelegt.

Allerdings ist dieser Schamanismus in Thailand quasi 'vom Aussterben bedroht'. Das liegt zum einen daran, dass oft Mönche in Thailand eine ähnliche Funktion wie Schamanen übernehmen - das durchführen magischer Riten, das Segnen von

Amuletten und Kräuterbehandlungen. Des Weiteren sind Thais auch ein von Antibiotika begeistertes Volk und in den Apotheken bekommt man jede Medizin grundsätzlich auch ohne Rezept - was dazu geführt hat, dass viele Thais die bunten Pillen in sich hinein stopfen als wären es Bonbons (ein wenig überspitzt formuliert...). Mittlerweile gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass eine Pille die den Schmerz wegmacht nicht unbedingt immer ein Segen sein muss und dass Nebenwirkungen oft größer sind, als die Schrift auf der Packungsbeilage - aber Hand in Hand mit dem steigenden Bedürfnis nach traditioneller Medizin geht auch eine immer aggressivere Vermarktung von 'traditional herbal medicine'.

Das wäre ja an und für sich durchaus zu begrüßen - leider verstehen die Firmen dahinter jedoch oft mehr von Marketing als von Medizin.


Die Wiederentdeckung
Mittlerweile beginnen die Thais also wieder in verstärktem Maße, sich für ihre eigene Heilkunst zu interessieren. Das war nicht immer so.

Als vor rund 100 Jahren König Chulalongkorn Thailand's große Modernisierung vollendete, galt westliche Wissenschaft als kostbares Gut. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte glaubten viele Thais selbst, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis ihre Traditionen westlicher Vernunft weichen würden. Dazu möchte ich eine kleine persönliche Anekdote einfügen: Einst wohnte ich einige Zeit im Haus eines befreundeten Sport-Mediziners und lernte so seine Mutter kennen. Khun Mä (so nannte ich sie) war früher Lehrerin an einer renommierten Schule in Bangkok gewesen und stammte aus einer angesehenen Familie. Ihr Vater war persönlicher Masseur des Königs gewesen und Khun Mä lachte amüsiert, als sie sich daran erinnerte, dass sie damals gar kein Interesse für traditionelle Medizin und Massagen übrig hatte. 'Damals dachte ich das wäre alles langweilige, überholte Tradition. Es schien so rückständig und die westliche Medizin war so viel überlegener. Mein Vater wollte uns Kindern sein medizinisches Wissen weitergeben, aber das wollten wir gar nicht. Ich war noch sehr jung, da hat er mir ein bisschen davon beigebracht, aber das ist so lange her. Wir wollten alle lieber in der Schule lernen und zur Universität gehen und er akzeptierte das. Damals dachte ich: Ach, wer will in zehn Jahren noch massiert werden, wenn jeder richtige Medizin bekommen kann. Und heute sehe ich, wie viele Menschen aus Amerika und Europa hierher kommen um etwas über unsere Massagen zu lernen.'

Und so ging es vielen Thais. Mitte des letzten Jahrhunderts galt – erst recht in den Städten – traditionelle Medizin nicht viel. Und dann, etwa seit den siebziger Jahren, kamen Jahr für Jahr mehr Amerikaner und Europäer nach Thailand und wollten mehr über das traditionelle Heilwissen der Thais lernen. Natürlich erkannten dann auch immer mehr Thais: 'Die kommen aus dem Westen und wollen von uns lernen? Vielleicht ist ja doch was dran, an den alten Mitteln.'

Auch die Regierung und die Königsfamilie haben ihren Teil zur Wiederbelebung der Thai-Massage beigetragen. Besonders das Gesundheitsministerium hat viele Initiativen ins Leben gerufen und in Zusammenarbeit mit Universitäten  und Heilkundigen groß angelegte Forschungsprojekte vorangetrieben. In vielen Kliniken arbeiten moderne Mediziner und traditionelle Heiler Hand in Hand zusammen.

Erfreu dich deiner inneren Kräfte,
denn sie sind die Baumeister
von Ganzheit und Heiligkeit in dir.

Hippokrates
In Thailand gibt es ein großes Angebot an qualifizierten Arbeitskräften für wissenschaftliche Unternehmungen und gerade der Wellness- und Medizin-Tourismus auf den Thailand sich spezialisiert hat ist eine treibende Kraft hinter so manch viel versprechendem Projekt.

Wenn wir jetzt unseren Blick der Vergangenheit abwenden und stattdessen in die Zukunft sehen, dann wird eines deutlich: in den kommenden Jahren wird viel Kommerz mit dem Begriff “Thai- Massage” getrieben werden. In vielen Teilen der Welt blüht ein riesiger industrieller Komplex auf, der nichts anderes verkauft als: Wellness. Es gibt kaum ein Luxus-Hotel in der Welt, das nicht Masseure aus Thailand eingestellt hat. Aber auch wer einen weniger extravaganten Lebensstil führt kann heutzutage die heilsame Wirkung der Thai-Massage am eigenen Leib erfahren.

Im Titel dieses Artikels habe ich von einer “Rückkehr auf Umwegen” gesprochen. Damit meinte ich, dass die Thai-Massage wieder in die Tempel zurückkehrt. Nicht in richtige Tempel in die man hineingehen kann. Sondern den Tempel im Herzen, den man überall bei sich trägt. Viele Schüler aus anderen Ländern – ganz besonders die aus Japan und Indien – haben mir gesagt, dass sie Thai-Massage praktizieren, weil es für sie eine Möglichkeit ist, anderen Menschen wirklich zu helfen und ihnen von Nutzen zu sein. Es braucht nur zwei Menschen mit guter Absicht. Es braucht keine besonderen Cremes oder Instrumente, keine teure Gerätschaft oder wertvollen Mineralien. Es wird nur die dem Menschen innewohnende, natürliche Kraft aktiviert und eingesetzt um zum Zustand der Harmonie zurückzufinden. Und wirklich – wie weit ist das noch vom buddhistischen Wandermönch entfernt?

Diese Leute tragen keine orangefarbenen Roben und betteln nicht um ihr tägliches Essen wie die Mönche, sie haben Visitenkarten und berechnen ihre Massagen in barer Münze – aber es ist mit Sicherheit ein mittlerer Weg, der es ihnen ermöglicht auf ihrer individuelle spirituellen Entwicklung voranzuschreiten und zugleich als Teil einer modernen Gesellschaft ihren Mitmenschen von Nutzen zu sein. Und im Zeitalter der Maschinen und Computerchips ist es für die meisten Menschen heilsam wieder in Kontakt mit dem zu kommen, was die Menschheit seit Anbeginn begleitet hat: Heilsame Berührung.


Effekte der Thai-Massage – Wie Thaimassage wirkt


Vorweg möchte ich sagen, dass nicht jede Thai-Massage jede hier aufgeführte Wirkung hat. Es hängt zum großen Teil vom Masseur ab, seinen Erfahrungen, seinem Wissen und seinen Fähigkeiten.

Ich habe mich hier dafür entschieden, aufzuzeigen zu welchem Zweck Thai-Massage eingesetzt werden kann. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass Thai-Massage kein Allheilmittel ist. Fakt ist einfach, dass Thai-Massage nie systematisiert wurde wie wir das vom westlichen System der Körperarbeit her kennen, und so ein weites und schier unüberschaubares Spektrum an Behandlungstechniken zur Verfügung steht.
Es ist bislang niemandem gelungen, dieses System in seiner Gesamtheit vollständig darzustellen, und es liegt in der Natur der Sache, dass das auch niemandem gelingen wird, denn selbst wer für Jahre Thailand bereist und recherchiert, wird nicht jede Technik von jedem Masseur erfassen können.

Mittlerweile ist das thailändische Gesundheitsministerium bemüht Qualitätsnomen für Thai-Massage einzuführen und genau zu bestimmen, welche Techniken “Thai-Massage” sind und welche nicht. Dies wird jedoch von vielen Massage-Therapeuten nicht gut geheißen, vor allem weil eine große Anzahl an Techniken so Gefahr laufen verloren zu gehen, weil sie nicht im Curriculum des Gesundheitsministeriums auftauchen.

Thai-Massage tut gut:
Körper und Geist werden in Einklang gebracht. Zu den generellen Wirkungen einer kunstfertig ausgeführten Thaimassage gehören:

tiefe Entspannung
Stresslinderung
spendet neue Energie und wirkt vitalisierend
bessere Körperhaltung
bessere Durchblutung (was auch heißt: bessere Sauerstoffund Nährstoffversorgung in den Geweben und Organen)
Koordinationsvermögen wird verfeinert
Entwicklung eines besseren Körpergefühls
reduziertes Risiko von Rückenverletzungen
Schmerzlinderung
Kräftigung die internen Organe
Stabilisierung der Wirbelsäule
Stabilisierung der Gelenke
Stimulation des endokrinen Systems
Schadstoffablagerungen werden aus dem Bindegewebe freigesetzt
und können den Körper verlassen (deshalb nach Massage möglichst viel Wasser oder Tee trinken!)
Flexibilität von Muskeln, Sehnen und Bändern wird verbessert
Muskel- und Bindegewebsverklebungen werden aufgelöst
Energiefluss wird angeregt
Muskelverspannungen werden reduziert und aufgelöst
Körpersymmetrie wird verbessert
Lymphsystem wird stimuliert (und somit der Abtransport von Schadstoffen verbessert)
Klarheit im Geist, verbesserte Strukturierung von Gedanken
Schwellungen gelindert
Stoffwechsel wird angeregt
löst Kopfschmerzen auf
die natürlichen Rhythmen des Körpers werden wieder in Einklang gebracht
Schlaf wird tiefer und erholsamer
Menstruationsschmerz wird gelindert (Dysmenorrhea)
emotionale und energetische Blockaden werden aufgelöst
unbewusst gespeicherte Erinnerungen kehren ins Bewusstsein zurück
langanhaltendes Wohlbefinden, sowohl körperlich wie auch emotional
innere und äußere Erfahrungswelt werden in Einklang gebracht
Heilungsprozess bei überstrapazierter Muskulatur wird beschleunigt
vorbeugend gegen Osteoporose
setzt Endorphine frei – die körpereigenen, natürlichen Schmerzmittel und ist deshalb besonders hilfreich für Patienten mit chronischen Schmerzen und postoperativen Schmerzen. Oft können schmerzbetäubende Medikamente herunterdosiert oder sogar abgesetzt werden.


Die hier aufgelisteten Krankheiten, sind Krankheiten die in Thailand auch mit Thai-Massagen behandelt werden. Wenn Sie unter einer der unten aufgeführten Beschwerden leiden, rennen Sie damit jedoch bitte nicht zur nächsten Thai-Massage-Praxis. In den meisten Fällen sind sie mit einem Arzt oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens besser beraten, in einigen Fällen kann Thai-Massage als Ergänzung zu einer medizinischen Therapie helfen.

Lähmungszustände (besonders halbseitige Lähmungen nach Schlaganfall)
Migräne
Asthma
Schwindelgefühl
Appetitlosigkeit
Muskelkrämpfe
Depression
Angstzustände
Erbrechen und Übelkeit
Nebenhöhlenentzündung
Schlafstörungen
Impotenz
Verstopfung
Sodbrennen
Husten und Erkältung
Epilepsie
Inkontinenz
Magengeschwüre
Schockzustände
Tinnitus
Fieber
Beruhigung von Kleinkindern wenn sie zahnen
Menstruationsbeschwerden


Auch diese Liste ist bei Weitem nicht vollständig. Wenn Sie weitere Anregungen oder Fragen zum Thema Thaimassage haben, schreiben Sie mir einfach eine Email:
ramin.assemi@tamtookwan.com

Lange Zeit war es in Thailand für wohlhabende Familien auch üblich, einen Massage-Therapeuten zu holen, wenn eine Frau schwanger war. Die Mutter bekam dann tägliche spezielle Massagebehandlungen bis etwa in den dritten Monat nachdem sie ihr Kind geboren hat.

Ich hoffe es ist mir gelungen einen kleinen Einblick in die traditionelle Kultur Thailands zu geben und welch wichtige Rolle Thaimassage dort gespielt hat.

Mehr Informationen zur Thai-Massage finden Sie im Internet unter:
www.tamtookwan.com

Ramin Assemi bietet traditionelle Thai-Massage in Berlin an.
© 2006, 2007 Ramin Assemi


Gespräch mit einem buddhistischen Mönch aus Thailand
In Thailand sprach ich mal mit einem Mönch über den Glauben. Sein Name ist Pra Sitchakorn und er ist genau so alt wie ich, aber schon seit er 1 Jahre alt war führte er das Leben eines Mönches im Kloster. Er sagte: 'Heutzutage ist es leicht nicht zu glauben und zu sagen: 'Ach, das ist doch alles Aberglaube! Diese Leute verstehen einfach die Wissenschaft nicht.'

Aber fast alle großen Wissenschaftler waren auch tiefgläubige Menschen. Und heute muss man sich nur ein wenig mit moderner Physik beschäftigen um zu erkennen: Die Grenzen zwischen Religion und Wissenschaft weichen langsam auf, die Übergänge werden fließender.' Ich war ein wenig erstaunt, dass ein junger buddhistischer Mönch so redete, hörte ihm aber aufmerksam zu. 'Du kommst doch aus Deutschland', sagte er zu mir, 'früher hattet ihr eine Große Mauer die euer Volk aufgeteilt hat.

Aber heute gibt es diese Mauer nicht mehr und die Menschen aus der einen Hälfte erkennen: Ach, die anderen, die sind genau wie wir. Und die Menschen aus der anderen Hälfte erkennen: Ach, die einen, die sind genau wie wir. Und heute seid ihr ein Volk. Und genau das geschieht auch mit Wissenschaft und Religion. Es geht viel langsamer weil die Mauer nicht aus Steinen gebaut ist, sondern aus Ideen und Meinungen. Aber es passiert. Früher war da eine große Mauer und die Wissenschaft hat gesagt: Es gibt keine Wiedergeburt! Und die Religion hat gesagt: Die Sonne dreht sich um die Erde! Aber heute vertragen die beiden sich viel besser. Die Wissenschaft sagt: Jeder Mensch ist aus Atomen gemacht, die zuvor Teil von anderen Lebewesen war. Und die Religion gibt sogar schon zu, dass die Erde sich um die Sonne dreht.'

Und da lachte er und fügte scherzend hinzu: 'So gesehen ist die Religion sogar flexibler als die Wissenschaft. Natürlich sagen die beiden noch nicht ganz das gleiche, aber sie bewegen sich doch in eine gemeinsame Richtung. Wie zwei verschiedene Baumstämme die in einem großen Fluss schwimmen: Mal ist der eine vornan und dann verhakt er sich irgendwo und der andere überholt ihn. Und dann keilt der sich irgendwo ein und der andere kommt wieder los und treibt voran. Aber beide fließen sie im gleichen Strom und beide fließen sie irgendwann ins große Meer hinein.'


Thai-Massage und Thai-Boxen
Thai-Boxen ist die wahrscheinlich brutalste und gefährlichste Kampfkunst Asiens. Wer mal die Möglichkeit hatte einen Thai-Boxer zu treffen, der wird bestätigen können, dass diese Leute Knochen haben, die so hart sind dass man gar nicht dran denken mag, was sie damit anstellen können.

Thai-Boxer sind oft kleine Hänflinge, jedenfalls sehen sie so aus. Wer an die durchtrainierten, muskulösen, groß gewachsenen Körper amerikanischer Boxer denkt, der wird recht erstaunt sein wenn so ein halbes Hemdchen dann vor einem steht. Das Training eines Thai-Boxers besteht zu einem guten Teil zum Beispiel darin stundenlang mit dem Schienbein Baumstämme kaputt zu treten und allerlei andere Dinge zu tun, die auf den ersten Blick nicht unbedingt viel mit gesundem Menschenverstand zu tun haben.

Die Verletzungsquote bei Thai-Boxern ist sehr hoch (man könnte sogar sagen sie ist Teil des Trainingsplans) und deshalb besuchen Thai-Boxer regelmäßig Thai-Masseure. Ich habe mich einmal von so einer Masseuse massieren lassen, bin ihr aber bald wieder von der Liege gesprungen. Sie war eine alte Frau mit weißen Haaren, und als ich sie bat sanfter zu massieren sagte sie lachend zu mir: 'Lass dich lieber vom Wind massieren, wenn dir das schon zuviel ist. Medizin musst du runterschlucken, wenn du nur dran riechst dann wirkt sie nicht.'

Ich bin eigentlich nicht zimperlich im Nehmen, aber die Frau massierte als sei sie in einem Steinbruch zugange. Aber für Leute die mit ihren Schienbeinen Bäume fällen war sie genau die Richtige.

Ayuthaya: Ruinen einer gefallenen Hochkultur
Die einzigen alten schriftlichen Darstellungen des traditionellen Heilwissens der Thais waren in der Pali- und Khmer-Sprache auf Palmblätter geschrieben. Texte aus dem 17. Jahrhundert verweisen immer wieder auf den hohen Stellenwert dieser Schriften. Die Thais sehen diese Periode der Geschichte allgemein als 'das goldene Zeitalter'. Ein weiser König regierte die Geschicke des Landes; Kunst, Heilkunde, Astronomie und Architektur blühten auf und ein im buddhistischen Glauben verwurzeltes Wertesystem sorgte dafür, dass materieller Wohlstand im Land gerecht verteilt wurde. Sicherlich ist vieles davon auch im Rückblick glorifiziert worden. Fakt jedoch ist, dass damals benachbarte Länder wiederholt versuchten, in Thailand einzufallen und es schließlich den Burmesen im Jahr 1767 auch gelang - mit verheerenden Folgen. Die ganze Stadt wurde von Soldaten geplündert und in Schutt und Asche gelegt. Fast alle Aufzeichnungen über die alte Medizin gingen unwiederbringlich verloren.


Texte © 2006 Ramin Assemi.

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